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Management

Die Rolle des Managers im Zeitalter der KI: Was sich jetzt ändert

Mehr als die Hälfte der Unternehmen setzt inzwischen KI ein. Was das für Führungskräfte bedeutet, welche Aufgaben wegfallen, welche wichtiger werden und wie du dein Team durch den Wandel führst.

Von 9 Min. Lesezeit
Rolle des Managers im Zeitalter der KI: Symbolbild künstliche Intelligenz mit Gehirn auf einer Platine
Foto: Steve Johnson / Unsplash

Künstliche Intelligenz schreibt Berichte, fasst Meetings zusammen, erstellt Prognosen und beantwortet Kundenanfragen. Viele Führungskräfte fragen sich deshalb: Was bleibt eigentlich für mich? Die kurze Antwort lautet: eine Menge. Doch die Rolle des Managers verschiebt sich spürbar, weg vom Verteilen und Kontrollieren von Arbeit, hin zu Orientierung, Urteilskraft und der Gestaltung von Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen.

Dieser Beitrag ist Teil 1 unseres Dossiers „Führung 2030: Was Manager jetzt lernen müssen“. Du erfährst, wie weit KI in deutschen Unternehmen bereits verbreitet ist, welche Aufgaben sich verändern und welche sieben Aufgaben dir keine Software abnimmt.

KI im Unternehmen: Die Zahlen hinter dem Wandel

Der Einsatz von KI hat sich in kurzer Zeit vervielfacht. Laut der aktuellen Bitkom-Studie vom September 2026 setzen erstmals mehr als die Hälfte der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein:

  • 57 Prozent der Unternehmen nutzen KI, nach 36 Prozent im Jahr 2025 und 20 Prozent im Jahr 2024.
  • 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz.
  • Nur noch 4 Prozent halten KI für ihr Geschäft für irrelevant.
  • 70 Prozent aller Unternehmen schulen ihre Beschäftigten bereits im Umgang mit KI.

Gleichzeitig zeigt die Studie eine große Lücke: Nur 3 Prozent der Unternehmen schöpfen das Potenzial von KI nach eigener Einschätzung eher stark aus. Auch die amtliche Statistik bestätigt, dass der Wandel ungleich verläuft. Nach Daten des Statistischen Bundesamts nutzten 2025 rund 57 Prozent der großen Unternehmen KI, aber nur 23 Prozent der kleinen.

Für dich als Führungskraft bedeutet das: KI ist kein Zukunftsthema mehr, und die Rolle des Managers verändert sich bereits heute. Die Frage ist nicht, ob sich deine Arbeit verändert, sondern wie aktiv du diese Veränderung gestaltest.

Wie KI die Rolle des Managers verändert

Lange bestand ein großer Teil der Führungsarbeit aus Koordination: Informationen sammeln, Aufgaben verteilen, Fortschritte prüfen, Berichte schreiben. Genau diese Tätigkeiten kann KI inzwischen in großen Teilen unterstützen oder übernehmen.

Das verändert die Rolle des Managers in drei Richtungen:

  • Weniger Verwaltung: Statusberichte, Protokolle und erste Auswertungen entstehen zunehmend automatisch.
  • Mehr Einordnung: Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind, wird die Fähigkeit wichtiger, sie zu bewerten und daraus Entscheidungen abzuleiten.
  • Neue Führungsaufgaben: Du führst nicht mehr nur Menschen, sondern gestaltest ein Zusammenspiel aus Menschen und KI-Werkzeugen.

Der Work Trend Index 2025 von Microsoft beschreibt diese Entwicklung mit dem Begriff „Agent Boss“: Beschäftigte, die KI-Agenten aufbauen, ihnen Aufgaben übertragen und sie steuern. 82 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten, innerhalb von 12 bis 18 Monaten digitale Arbeitskräfte einzusetzen, um die Kapazität ihrer Teams zu erweitern.

Was KI gut kann und was nicht

Um die Rolle des Managers neu zu bestimmen, hilft ein nüchterner Blick auf die Stärken und Schwächen der Technik.

KI ist stark, wenn es um große Datenmengen, wiederkehrende Aufgaben und schnelle Entwürfe geht. Sie erkennt Muster in Verkaufszahlen, fasst lange Dokumente zusammen und liefert in Sekunden eine erste Version einer Präsentation. Wie das im Finanzbereich konkret aussieht, zeigt unser Beitrag zu KI im Controlling.

KI ist schwach, wenn Verantwortung, Werte und Beziehungen im Spiel sind. Sie kennt die Geschichte deines Teams nicht, spürt keine Spannungen im Meeting und trägt keine Verantwortung für Entscheidungen. Zudem können KI-Ergebnisse falsch sein, auch wenn sie überzeugend klingen.

Genau an dieser Grenze entsteht der neue Kern der Führungsarbeit. Hier entscheidet sich, wie die Rolle des Managers künftig aussieht.

7 Aufgaben, die KI dir nicht abnimmt

Die folgenden sieben Aufgaben werden durch KI nicht kleiner, sondern wichtiger. Sie beschreiben die Rolle des Managers in den kommenden Jahren.

Rolle des Managers: Team arbeitet gemeinsam an einem Laptop im Büro
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash

1. Richtung geben: Wofür steht dein Bereich, welche Ziele verfolgt ihr und was hat Vorrang? KI kann Optionen durchrechnen, aber sie kann nicht entscheiden, was deinem Unternehmen wichtig ist.

2. Entscheidungen verantworten: KI liefert Wahrscheinlichkeiten und Empfehlungen. Die Entscheidung und die Verantwortung dafür bleiben bei dir. Wie du Daten und Erfahrung klug verbindest, beschreibt Teil 2 des Dossiers zur datengetriebenen Führung.

3. Ergebnisse prüfen: Je mehr Arbeit KI übernimmt, desto wichtiger wird die Qualitätskontrolle. Führungskräfte müssen wissen, wo Fehler entstehen können, und im Team klare Regeln für die Prüfung von KI-Ergebnissen festlegen.

4. Menschen entwickeln: Wenn Routinetätigkeiten wegfallen, verändern sich Stellenprofile. Deine Aufgabe ist es, Stärken zu erkennen, Weiterbildung zu ermöglichen und neue Rollen im Team zu gestalten.

5. Vertrauen schaffen: Viele Beschäftigte fragen sich, ob ihre Arbeit noch gebraucht wird. Offene Kommunikation über Ziele und Grenzen des KI-Einsatzes ist deshalb eine zentrale Führungsaufgabe. Gerade hier zeigt sich, wie menschlich die Rolle des Managers bleibt.

6. Zusammenarbeit gestalten: Teams arbeiten zunehmend verteilt und mit digitalen Werkzeugen. Wie du Teams führst, die man selten sieht, und welche Meetingkultur dabei hilft, zeigt Teil 3 zum Thema Meetingkultur im hybriden Arbeiten.

7. Ethik und Regeln verankern: Welche Daten dürfen in welche Werkzeuge? Wo braucht es eine menschliche Freigabe? Solche Fragen musst du nicht allein beantworten, aber du musst dafür sorgen, dass sie in deinem Bereich geklärt sind.

Was der AI Act für die Rolle des Managers bedeutet

Der Wandel hat auch eine rechtliche Seite. Seit dem 2. Februar 2025 verlangt Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung, dass Unternehmen, die KI-Systeme anbieten oder einsetzen, für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten sorgen. Gemeint sind technische, rechtliche und ethische Grundkenntnisse im Umgang mit KI.

Ein bestimmtes Zertifikat ist nach Einschätzung der IHK Schleswig-Holstein derzeit nicht vorgeschrieben. Es ist aber sinnvoll, Schulungen und interne Regeln zu dokumentieren. Für die Rolle des Managers heißt das: Sorge dafür, dass dein Team weiß, welche KI-Werkzeuge es nutzen darf, wie Ergebnisse zu prüfen sind und wo die Grenzen liegen.

So entwickelst du deine Rolle als Manager weiter

Die gute Nachricht: Du musst kein KI-Experte werden, um gut zu führen. Wichtig ist, dass du die Technik gut genug verstehst, um sinnvolle Fragen zu stellen und Risiken einzuschätzen. Diese Schritte helfen dir dabei:

  1. Selbst ausprobieren: Nutze KI-Werkzeuge regelmäßig für eigene Aufgaben, etwa für Zusammenfassungen, Entwürfe oder Analysen. So verstehst du Stärken und Schwächen aus erster Hand.
  2. Anwendungsfälle sammeln: Frage dein Team, welche Aufgaben viel Zeit kosten und wenig Wert schaffen. Dort liegt oft das größte Potenzial.
  3. Klein anfangen: Starte mit einem überschaubaren Pilotprojekt, miss den Nutzen und entscheide dann über den nächsten Schritt.
  4. Regeln festlegen: Kläre gemeinsam mit IT und Datenschutz, welche Werkzeuge erlaubt sind und welche Daten verwendet werden dürfen.
  5. Lernen organisieren: Plane feste Zeit für Weiterbildung ein und fördere den Austausch im Team, etwa über kurze Lernrunden.

Wie du Veränderungen im Team strukturiert begleitest, erfährst du in unserem Beitrag zum Change Management.

Praxisbeispiel: Ein Vertriebsteam arbeitet mit KI

Wie sich die Rolle des Managers im Alltag verändert, zeigt ein typisches Beispiel aus dem Mittelstand. Die Leiterin eines Vertriebsteams mit zwölf Beschäftigten führt ein KI-Werkzeug ein, das Kundengespräche zusammenfasst und Angebotsentwürfe vorbereitet.

In den ersten Wochen spart das Team vor allem Zeit bei der Dokumentation. Schnell zeigt sich aber, dass die Entwürfe gelegentlich falsche Konditionen enthalten. Die Leiterin führt deshalb eine klare Regel ein: Jedes Angebot wird vor dem Versand von einer zweiten Person geprüft. Gleichzeitig nutzt sie die gewonnene Zeit für mehr Kundenbesuche und regelmäßige Einzelgespräche mit ihrem Team.

Ihre eigene Rolle verändert sich dabei deutlich: Sie verbringt weniger Zeit mit Berichten und mehr Zeit mit Coaching, Qualitätssicherung und strategischen Kundengesprächen.

Häufige Fehler beim Einsatz von KI im Team

Viele Führungskräfte unterschätzen, wie stark KI die Zusammenarbeit und die Rolle des Managers verändert. Wer die typischen Stolpersteine kennt, spart Zeit, Geld und Vertrauen im Team. Diese Fehler solltest du vermeiden:

  • Technik vor Ziel: Ein Werkzeug wird eingeführt, ohne klar zu definieren, welches Problem es lösen soll.
  • Fehlende Regeln: Beschäftigte nutzen private KI-Werkzeuge mit Unternehmensdaten, weil es keine erlaubten Alternativen gibt.
  • Blindes Vertrauen: Ergebnisse werden ungeprüft übernommen, obwohl sie Fehler enthalten können.
  • Schweigen über Ängste: Sorgen um Arbeitsplätze werden nicht angesprochen und bremsen die Akzeptanz.
  • Führung delegiert das Thema: KI wird allein der IT überlassen, obwohl Einsatz, Regeln und Weiterbildung Führungsaufgaben sind.

Die Rolle des Managers besteht hier vor allem darin, Klarheit zu schaffen: Warum setzen wir KI ein, was bleibt Aufgabe der Menschen und wie gehen wir mit Fehlern um? Wer diese Fragen früh beantwortet, verhindert Unsicherheit und Wildwuchs.

Ausblick: Führung 2030

Bis 2030 wird KI in vielen Unternehmen so selbstverständlich sein wie heute E-Mail und Tabellenkalkulation. Die Rolle des Managers wird sich dann weniger über Wissen und Kontrolle definieren, sondern über Urteilskraft, Kommunikation und die Fähigkeit, Menschen und Technik sinnvoll zusammenzubringen.

Dazu gehört auch, rechtzeitig an Übergänge zu denken. Wie Unternehmen Verantwortung geordnet an die nächste Generation übergeben, beschreibt Teil 4 des Dossiers zur Unternehmensnachfolge.

Fazit: Die Rolle des Managers wird menschlicher

KI nimmt Führungskräften viele Routineaufgaben ab. Das ist keine Bedrohung, sondern eine Chance. Die gewonnene Zeit kannst du für das nutzen, was Führung im Kern ausmacht: Richtung geben, Entscheidungen verantworten und Menschen entwickeln.

Wer jetzt Erfahrung mit KI sammelt, klare Regeln schafft und sein Team offen einbindet, stärkt seine Rolle als Manager nachhaltig. Alle Teile des Dossiers findest du in der Übersicht Führung 2030: Was Manager jetzt lernen müssen.

Häufige Fragen zur Rolle des Managers im Zeitalter der KI

Ersetzt KI Führungskräfte?

Nein. KI übernimmt vor allem Routineaufgaben wie Berichte, Zusammenfassungen und erste Analysen. Entscheidungen verantworten, Menschen entwickeln und Vertrauen aufbauen bleiben Aufgaben von Führungskräften.

Welche Kompetenzen brauchen Manager im Umgang mit KI?

Wichtig sind ein Grundverständnis der Technik, die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu prüfen, klare Kommunikation und Kenntnisse über rechtliche Rahmenbedingungen wie den AI Act. Programmierkenntnisse sind dafür nicht nötig.

Was verlangt der AI Act von Unternehmen?

Seit dem 2. Februar 2025 müssen Unternehmen, die KI-Systeme anbieten oder einsetzen, für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten sorgen. Ein bestimmtes Zertifikat ist derzeit nicht vorgeschrieben, Schulungen und Regeln sollten aber dokumentiert werden.

Wie starte ich mit KI in meinem Team?

Beginne mit einem überschaubaren Anwendungsfall, der viel Zeit kostet und wenig Wert schafft. Lege Regeln für erlaubte Werkzeuge und Daten fest, miss den Nutzen und beziehe dein Team von Anfang an ein.

Redaktion

Redaktion Manager Portal

Die Redaktion von Manager Portal analysiert Management, Wirtschaft, Finanzen und Technologie für Entscheider im Mittelstand.

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