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Wirtschaft

Energiepreise: Wie die Industrie ihre Kosten absichert

Gaspreise verdoppelt, Strom für 2027 so teuer wie seit der Energiekrise nicht mehr: Wie Industrieunternehmen ihre Energiepreise mit strukturierter Beschaffung, Terminkäufen, PPAs und Eigenerzeugung absichern.

Von Aktualisiert 8 Min. Lesezeit
Energiepreise: Strommasten bei Sonnenuntergang
Foto: Matthew Henry / Unsplash

Für viele Industrieunternehmen war 2026 ein Jahr der Energiepreis-Achterbahn. Die Krise um die Straße von Hormus hat Öl und Gas massiv verteuert, und auch die Strompreise für die kommenden Jahre sind kräftig gestiegen. Wer seine Energie kurzfristig am Markt einkauft, ist diesen Schwankungen schutzlos ausgeliefert. Energiepreise abzusichern ist deshalb für energieintensive Unternehmen zu einer zentralen Managementaufgabe geworden.

In diesem Beitrag erfährst du, wie sich die Energiemärkte entwickeln, welche Beschaffungsstrategien es gibt und wie du die Energiekosten deines Unternehmens planbarer machst.

Energiepreise 2026: Die Lage an den Märkten

Die Energiemärkte standen 2026 unter dem Eindruck der Krise am Persischen Golf. Seit Ende Februar war der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus massiv gestört, durch die normalerweise ein großer Teil des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases fließt. Die Folgen:

  • Öl: Der Preis für die Sorte Brent stieg im März zeitweise über 120 US-Dollar je Barrel. Ende September lag er wieder unter 100 Dollar.
  • Gas: Laut einer Marktanalyse von m2 Energie hat sich der Großhandelspreis am europäischen Handelspunkt TTF seit Dezember von rund 28 auf 74 Euro je Megawattstunde mehr als verdoppelt.
  • Strom: Der Terminkontrakt für Grundlaststrom im Jahr 2027 erreichte Anfang September 2026 rund 123 Euro je Megawattstunde. Das ist der höchste Stand seit Januar 2023.

Bemerkenswert: Erneuerbare Energien haben den Anstieg beim Strom deutlich gedämpft. Nach Analysen des Fraunhofer ISE wäre der Großhandelsstrompreis im April ohne den hohen Anteil erneuerbarer Energien um 76 Prozent höher gewesen.

Warum Absicherung jetzt so wichtig ist

Energiepreise wirken sich direkt auf Margen, Preise und Wettbewerbsfähigkeit aus. Für energieintensive Branchen wie Chemie, Metall, Glas, Papier oder Lebensmittel können sie über Gewinn oder Verlust entscheiden. Laut DIHK-Energiewende-Barometer 2026 melden 49 Prozent der Unternehmen gestiegene Stromkosten und 67 Prozent höhere Wärmekosten.

Das größte Problem ist oft nicht der hohe Preis allein, sondern die Unsicherheit. Wer nicht weiß, was Energie im nächsten Jahr kostet, kann keine verlässlichen Angebote kalkulieren und keine Investitionen planen. Absicherung schafft Planungssicherheit. Welche Folgen hohe Energiekosten für den Standort haben, liest du in unserem Beitrag über die Energiekosten im Mittelstand.

Die wichtigsten Beschaffungsstrategien

Es gibt nicht die eine richtige Strategie. Welche passt, hängt von Verbrauch, Risikobereitschaft und internen Kapazitäten ab.

Festpreisvertrag

Der klassische Weg: Du vereinbarst mit deinem Versorger einen festen Preis für ein oder mehrere Jahre. Das schafft maximale Planungssicherheit. Der Nachteil: Du legst dich zu einem einzigen Zeitpunkt fest. Kaufst du zu einem Höchststand, zahlst du über die gesamte Laufzeit zu viel.

Tranchenbeschaffung

Bei der Tranchenbeschaffung kaufst du deinen Energiebedarf in mehreren Teilmengen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein. So verteilst du das Preisrisiko und erzielst einen Durchschnittspreis. Viele Versorger bieten entsprechende Verträge an, oft mit der Möglichkeit, die Kaufzeitpunkte selbst zu bestimmen.

Strukturierte Beschaffung

Größere Verbraucher kaufen einen Teil ihrer Energie direkt am Terminmarkt und den Rest kurzfristig am Spotmarkt. Das erfordert Marktkenntnis, klare Regeln und ein laufendes Risikomanagement, bietet aber die größte Flexibilität.

Langfristige Stromlieferverträge (PPAs)

Bei einem Power Purchase Agreement kaufst du Strom direkt von einem Wind- oder Solarpark, oft für zehn Jahre oder länger zu einem festen Preis. Das sichert die Kosten langfristig ab und verbessert zugleich die Klimabilanz. PPAs lohnen sich vor allem für Unternehmen mit hohem und stabilem Verbrauch.

Energiepreise: Gasleitung aus Metall zwischen Bäumen
Foto: Quinten de Graaf / Unsplash

Eigenerzeugung als natürliche Absicherung

Die wirksamste Absicherung ist Energie, die du gar nicht einkaufen musst. Photovoltaik auf Dächern und Freiflächen erzeugt Strom zu Kosten, die über viele Jahre feststehen. In Kombination mit Batteriespeichern steigt der Anteil des selbst genutzten Stroms deutlich.

Auch Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen und die Nutzung von Abwärme reduzieren die Abhängigkeit vom Markt. Jede Kilowattstunde, die du selbst erzeugst oder einsparst, verringert dein Preisrisiko. Die Finanzierung solcher Anlagen wird durch Förderprogramme und grüne Kredite erleichtert. Mehr dazu in unserem Beitrag über nachhaltige Finanzierung.

Flexibilität als Chance

Die Strompreise am Spotmarkt schwanken im Tagesverlauf stark. In Stunden mit viel Wind und Sonne sind sie niedrig, teils sogar negativ. Unternehmen, die ihren Verbrauch flexibel steuern können, profitieren davon.

Energieintensive Prozesse lassen sich oft in günstige Zeitfenster verschieben. Speicher, Kühlhäuser oder Wärmespeicher können als Puffer dienen. Dynamische Tarife geben die Preissignale an den Verbraucher weiter. Auch das Vermeiden von Lastspitzen senkt die Netzentgelte spürbar.

Staatliche Entlastungen einbeziehen

Die Bundesregierung hat 2026 mehrere Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise umgesetzt: einen Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten, eine niedrigere Stromsteuer für das produzierende Gewerbe und einen Industriestrompreis für energieintensive Branchen mit Verlagerungsrisiko. Die EU-Kommission hat den Industriestrompreis im April 2026 genehmigt.

Prüfe, welche Entlastungen für dein Unternehmen gelten, und beziehe sie in deine Kostenplanung ein. Beachte dabei die Bedingungen: Beim Industriestrompreis muss ein Teil der Förderung in Klimaschutzmaßnahmen reinvestiert werden.

Energiepreise in Verträgen mit Kunden absichern

Absicherung funktioniert nicht nur auf der Einkaufsseite. Auch in Verträgen mit Kunden kannst du Energiepreisrisiken begrenzen:

  • Preisgleitklauseln: Sie koppeln deine Verkaufspreise an einen Energiepreisindex. Steigen die Energiekosten, steigen auch deine Preise.
  • Kürzere Preisbindungen: Bei langen Aufträgen sollten Festpreise nicht über Jahre gelten, ohne dass Energiekosten angepasst werden können.
  • Transparente Kalkulation: Wer seinen Kunden die Kostenentwicklung offen erklärt, stößt bei Preisanpassungen auf mehr Verständnis.

Ein Energie-Risikomanagement aufbauen

Für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch lohnt sich ein systematisches Risikomanagement. Die wichtigsten Bausteine:

  • Beschaffungsrichtlinie: Lege fest, wer über Energieeinkäufe entscheidet, welche Instrumente erlaubt sind und welcher Anteil des Bedarfs wie weit im Voraus gesichert wird.
  • Verbrauchsprognose: Eine gute Prognose des eigenen Bedarfs ist die Grundlage jeder Absicherung.
  • Marktbeobachtung: Verfolge die Entwicklung an den Energiemärkten regelmäßig oder beauftrage einen Dienstleister.
  • Kennzahlen: Miss den Absicherungsgrad, den Durchschnittspreis und die Abweichung vom Budget.
  • Regelmäßige Überprüfung: Passe die Strategie an, wenn sich Märkte oder Verbrauch ändern.

Wie du Entscheidungen konsequent auf Daten stützt, zeigt unser Beitrag über datengetriebene Führung.

Typische Fehler bei der Energiebeschaffung

  • Spekulieren statt absichern: Wer auf fallende Preise wettet und ungesichert bleibt, riskiert böse Überraschungen.
  • Alles auf einmal kaufen: Ein einziger Kaufzeitpunkt erhöht das Risiko, zum ungünstigsten Moment abzuschließen.
  • Verbrauch ignorieren: Die beste Absicherung ist ein niedriger Verbrauch. Effizienzmaßnahmen gehören immer dazu.
  • Verträge nicht prüfen: Kündigungsfristen, Mengenbänder und Preisanpassungsklauseln entscheiden über die tatsächlichen Kosten.

Energiepreise und Wettbewerbsfähigkeit

Hohe Energiepreise sind für die deutsche Industrie ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Ländern mit günstigerer Energie wie den USA. Laut AHK World Business Outlook Frühjahr 2026 nennen 46 Prozent der international tätigen deutschen Unternehmen hohe Energiepreise als größtes Geschäftsrisiko. Im Herbst 2025 waren es noch 19 Prozent.

Unternehmen, die ihre Energiepreise gut absichern und ihren Verbrauch senken, verschaffen sich einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die ungeschützt am Markt einkaufen. Wie sich die Energiekosten auf Exportchancen auswirken, liest du in unserem Beitrag über die Exportwirtschaft.

Praxisbeispiel: Ein Mittelständler sichert seine Energiepreise ab

Ein Metallverarbeiter mit einem Stromverbrauch von rund zehn Gigawattstunden im Jahr hatte seinen Strom bisher jährlich zu einem Stichtag eingekauft. Nach dem Preisschock 2026 stellte er seine Beschaffung um. Heute kauft er den Bedarf für die kommenden drei Jahre in vierteljährlichen Tranchen ein. So sind für das nächste Jahr bereits rund 80 Prozent gesichert, für das übernächste die Hälfte.

Parallel installierte das Unternehmen eine Photovoltaikanlage auf dem Hallendach und verlegte energieintensive Prozesse, wo möglich, in die Mittagsstunden. In neuen Kundenverträgen vereinbart es Preisgleitklauseln für Energie. Das Ergebnis: Die Energiepreise sind für die Planung kein Unsicherheitsfaktor mehr, und das Unternehmen kann verlässlich kalkulieren.

Entscheidend ist, dass Einkauf, Produktion und Geschäftsführung gemeinsam handeln. Die Energiepreise betreffen alle Bereiche, und nur ein abgestimmtes Vorgehen schöpft die Potenziale voll aus.

Ein externer Energieberater oder ein spezialisierter Beschaffungsdienstleister kann gerade mittelständischen Unternehmen helfen, eine passende Strategie zu entwickeln. Die Kosten für die Beratung sind im Vergleich zu den möglichen Einsparungen meist gering.

Wer heute handelt, schützt nicht nur die Marge des kommenden Jahres, sondern stärkt die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens dauerhaft und nachhaltig.

Fazit: Energiepreise planbar machen

Die Energiepreise bleiben volatil. Die Krise am Persischen Golf hat gezeigt, wie schnell sich Öl-, Gas- und Strompreise verändern können. Für die Industrie ist eine kluge Absicherung deshalb unverzichtbar.

Die besten Ergebnisse erzielen Unternehmen mit einer Kombination aus Tranchenbeschaffung oder strukturierter Beschaffung, langfristigen Stromlieferverträgen, eigener Erzeugung, flexiblen Prozessen und Preisgleitklauseln in Kundenverträgen. So werden Energiekosten planbar, und das Unternehmen gewinnt Spielraum für Investitionen und Wachstum.

Häufige Fragen zu Energiepreisen

Wie haben sich die Energiepreise 2026 entwickelt?

Die Krise um die Straße von Hormus hat die Preise stark steigen lassen. Der Gaspreis am Handelspunkt TTF hat sich seit Dezember mehr als verdoppelt, und Strom für die Lieferung 2027 kostete Anfang September rund 123 Euro je Megawattstunde, so viel wie seit Januar 2023 nicht mehr.

Wie können Unternehmen Energiepreise absichern?

Wichtige Instrumente sind Festpreisverträge, die Beschaffung in Tranchen, strukturierte Beschaffung am Terminmarkt, langfristige Stromlieferverträge mit Wind- oder Solarparks sowie eigene Erzeugung, etwa mit Photovoltaik.

Was ist ein PPA?

Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger Stromliefervertrag, meist direkt mit einem Wind- oder Solarpark. Er sichert den Strompreis oft für zehn Jahre oder länger ab und verbessert die Klimabilanz des Unternehmens.

Was ist Tranchenbeschaffung?

Bei der Tranchenbeschaffung wird der Energiebedarf in mehreren Teilmengen zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingekauft. So verteilt sich das Preisrisiko, und das Unternehmen erzielt einen Durchschnittspreis statt eines einzigen Stichtagspreises.

Autor:in

Daniel Hoffmann

Daniel Hoffmann schreibt für Manager Portal über Wirtschaft.

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