Märkte
  • DAX24.889−1,2 %
  • MDAX30.407−1,4 %
  • Euro Stoxx 506.184−1,4 %
  • EUR/USD1,1293−0,4 %
  • Brent100,65 $+2,7 %
Stand 10:53 Uhr
Unternehmen

Beirat im Familienunternehmen: Wie er bessere Entscheidungen ermöglicht

83 Prozent der Familienunternehmen haben inzwischen ein Aufsichts- oder Beratungsgremium. Wie ein Beirat im Familienunternehmen bessere Entscheidungen ermöglicht, welche Aufgaben er übernimmt und wie du ihn richtig besetzt.

Von Aktualisiert 8 Min. Lesezeit
Beirat im Familienunternehmen: Frau spricht in einer Besprechung vor Kollegen
Foto: Christina @ wocintechchat.com / Unsplash

Familienunternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Ihre Stärken sind langfristiges Denken, kurze Entscheidungswege und eine enge Bindung an Belegschaft und Region. Doch genau diese Stärken können zur Schwäche werden: wenn Entscheidungen niemand hinterfragt, wenn Familienkonflikte das Geschäft lähmen oder wenn Wissen für neue Herausforderungen fehlt. Ein Beirat im Familienunternehmen kann hier den Unterschied machen.

In diesem Beitrag erfährst du, welche Aufgaben ein Beirat übernimmt, wie verbreitet er ist, wie du ihn richtig besetzt und worauf es ankommt, damit er wirklich zu besseren Entscheidungen beiträgt.

Was ist ein Beirat im Familienunternehmen?

Ein Beirat ist ein zusätzliches Gremium neben Gesellschaftern und Geschäftsführung. Anders als der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft ist er bei den meisten Familienunternehmen gesetzlich nicht vorgeschrieben. Die Gesellschafter können ihn freiwillig einrichten und seine Aufgaben und Rechte im Gesellschaftsvertrag oder in einer Beiratsordnung frei gestalten.

Grundsätzlich lassen sich zwei Formen unterscheiden:

  • Beratender Beirat: Er unterstützt die Geschäftsführung mit Erfahrung, Wissen und Netzwerken, hat aber keine Entscheidungsbefugnisse.
  • Kontrollierender Beirat: Er überwacht die Geschäftsführung, genehmigt wichtige Entscheidungen und kann die Geschäftsführer bestellen und abberufen.

In der Praxis sind die Übergänge fließend. Viele Beiräte vereinen beratende und kontrollierende Aufgaben.

Wie verbreitet Beiräte sind

Beiräte sind in Familienunternehmen längst Standard. Laut einer Studie von PwC und der INTES Akademie für Familienunternehmen, für die rund 250 Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum befragt wurden, verfügen 83 Prozent über einen Beirat, Aufsichtsrat oder Verwaltungsrat. 2002 waren es erst 39 Prozent.

Die Zufriedenheit ist hoch: 83 Prozent sind mit der Arbeit ihres Gremiums zufrieden oder sehr zufrieden. 64 Prozent bescheinigen dem Beirat einen positiven Beitrag zum Unternehmenserfolg.

Die Aufgaben eines Beirats im Familienunternehmen

Der Beirat hat sich vom reinen Beratungsgremium zu einem vielseitigen Organ entwickelt. Laut PwC-INTES-Studie übernehmen Beiräte folgende Aufgaben:

  • Strategische Beratung der Geschäftsführung: 91 Prozent
  • Kontrolle der Geschäftsführung: 81 Prozent
  • Genehmigung wichtiger Investitionen: 79 Prozent
  • Bestellung und Abberufung der Geschäftsführung: 75 Prozent

Darüber hinaus übernehmen viele Beiräte eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen Familie und Unternehmen, als Begleiter bei der Nachfolge und als Sparringspartner in Krisen.

Warum ein Beirat bessere Entscheidungen ermöglicht

Ein gut besetzter Beirat im Familienunternehmen bringt Perspektiven ein, die im Unternehmen fehlen. Seine wichtigsten Beiträge:

Blick von außen

Externe Beiräte stellen Fragen, die intern niemand stellt. Sie erkennen blinde Flecken und hinterfragen eingefahrene Denkmuster. Das schützt vor Fehlentscheidungen.

Fachwissen und Erfahrung

Beiräte bringen Know-how mit, das in der Geschäftsführung fehlt, etwa zu Finanzierung, Digitalisierung, Internationalisierung oder Übernahmen.

Netzwerke

Erfahrene Beiräte öffnen Türen zu Kunden, Banken, Investoren und Fachkräften.

Neutralität in Familienfragen

Wenn mehrere Familienstämme beteiligt sind, kann ein neutraler Beirat Konflikte versachlichen und ausgleichen. Er sorgt dafür, dass Entscheidungen im Interesse des Unternehmens getroffen werden.

Kontinuität bei der Nachfolge

Beim Generationswechsel sichert der Beirat Stabilität. Er begleitet die Auswahl und Einarbeitung der Nachfolger und berät die neue Führung. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Unternehmensnachfolge.

Beirat im Familienunternehmen: Unternehmer und Beiräte im Gespräch am Besprechungstisch
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash

Den Beirat richtig besetzen

Die Qualität eines Beirats im Familienunternehmen steht und fällt mit seinen Mitgliedern. Die Studie zeigt allerdings Schwächen bei der Auswahl: 80 Prozent der Unternehmen rekrutieren ihre Beiräte aus dem eigenen Netzwerk. Nur eine Minderheit nutzt einen strukturierten Auswahlprozess.

So gehst du besser vor:

Anforderungsprofil erstellen

Kläre zuerst, welche Kompetenzen der Beirat braucht. Welche Herausforderungen stehen in den nächsten Jahren an? Welches Wissen fehlt in Geschäftsführung und Familie? Leite daraus ein Profil für jedes Beiratsmandat ab. Die PwC-INTES-Studie empfiehlt: Konzept vor Person.

Kompetenzlücken schließen

Die Studie zeigt deutliche Lücken: Nur 27 Prozent der Beiräte verfügen über Digitalisierungskompetenz, nur 34 Prozent über M&A-Erfahrung und 33 Prozent über Know-how in Innovation und Forschung. Gerade diese Themen werden für Familienunternehmen immer wichtiger. Wie wichtig digitale Themen inzwischen für die Unternehmensführung sind, zeigt unser Beitrag über digitale Souveränität.

Vielfalt fördern

Unterschiedliche Erfahrungen, Altersgruppen und Perspektiven verbessern die Entscheidungsqualität. Laut Studie haben 54 Prozent der Beiräte mindestens eine Frau, aber nur 15 Prozent Mitglieder unter 35 Jahren.

Unabhängigkeit sichern

Mindestens ein Teil der Mitglieder sollte unabhängig sein, also weder zur Familie gehören noch geschäftliche Beziehungen zum Unternehmen haben. Nur so ist ein kritischer Blick gewährleistet.

Größe begrenzen

In der Praxis haben sich Beiräte mit drei bis fünf Mitgliedern bewährt. Kleinere Gremien diskutieren intensiver und entscheiden schneller.

Die Spielregeln festlegen

Ein Beirat im Familienunternehmen braucht klare Regeln. Diese sollten im Gesellschaftsvertrag und in einer Beiratsordnung festgehalten werden:

  • Aufgaben und Kompetenzen: Berät der Beirat nur, oder hat er Zustimmungs- und Kontrollrechte?
  • Zusammensetzung: Wer bestimmt die Mitglieder? Wie viele Familienmitglieder und wie viele Externe?
  • Amtszeit: Begrenzte Amtszeiten sorgen für regelmäßige Erneuerung.
  • Sitzungen: Wie oft trifft sich der Beirat? Üblich sind vier bis sechs Sitzungen pro Jahr.
  • Informationsrechte: Welche Berichte erhält der Beirat, und in welchem Rhythmus?
  • Haftung und Versicherung: Wie ist die Haftung der Mitglieder geregelt?

Laut Studie haben 68 Prozent eine Beiratsordnung, doch ein Drittel der Unternehmen hat kein Regelwerk für die Beiratsarbeit.

Was ein Beirat kosten darf

Eine angemessene Vergütung ist wichtig, um qualifizierte Mitglieder zu gewinnen und ihre Verantwortung anzuerkennen. Laut PwC-INTES-Studie erhalten ordentliche Mitglieder im Durchschnitt 10.000 bis 20.000 Euro pro Jahr, stellvertretende Vorsitzende rund 25.000 Euro und Vorsitzende rund 40.000 Euro. Ein Viertel der Vorsitzenden erhält mehr als 50.000 Euro.

Mehr als ein Viertel der Beiräte erhält weniger als 10.000 Euro im Jahr. Die Studie sieht hier Nachholbedarf: Die Vergütung sollte zum tatsächlichen Aufwand und zur Verantwortung passen.

Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung

Ein Beirat im Familienunternehmen entfaltet seine Wirkung nur, wenn die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung funktioniert. Wichtig ist eine offene, vertrauensvolle Kommunikation. Die Geschäftsführung sollte den Beirat nicht als Kontrollinstanz fürchten, sondern als Sparringspartner nutzen.

Gute Beiratssitzungen sind gut vorbereitet: Unterlagen kommen rechtzeitig, die Tagesordnung konzentriert sich auf strategische Fragen, und Empfehlungen werden nachverfolgt. Die Studie empfiehlt, den Fokus auf Zukunftsthemen statt auf die Vergangenheit zu legen. Eine offene Kultur des Austauschs, wie wir sie in unserem Beitrag über Feedbackkultur beschreiben, hilft dabei.

Den Beirat regelmäßig evaluieren

Auch ein Beirat im Familienunternehmen sollte sich selbst hinterfragen. Laut Studie führen jedoch 52 Prozent der Gremien keine regelmäßige Evaluation durch. Dabei ist eine jährliche Selbstbewertung einfach umzusetzen: Wie gut arbeitet der Beirat? Fehlen Kompetenzen? Werden Empfehlungen umgesetzt? Wie bewertet die Geschäftsführung die Zusammenarbeit?

Die Ergebnisse helfen, die Arbeit zu verbessern und bei Neubesetzungen gezielt Lücken zu schließen.

Beirat oder Investor?

Manche Familienunternehmen stehen vor der Frage, ob sie einen externen Investor aufnehmen sollen. Ein Beirat kann hier eine wichtige Rolle spielen: Er hilft, die Optionen nüchtern zu bewerten und die Interessen der Familie zu wahren. Nimmt das Unternehmen einen Investor auf, entsteht meist ohnehin ein Gremium, in dem auch der Investor vertreten ist. Mehr dazu in unserem Beitrag über Private Equity im Mittelstand.

Checkliste für einen wirksamen Beirat

  • Aufgaben und Kompetenzen des Beirats sind klar definiert.
  • Es gibt ein Anforderungsprofil für jedes Mandat.
  • Mindestens ein Mitglied ist unabhängig von Familie und Unternehmen.
  • Digitalisierung und Zukunftsthemen sind im Beirat vertreten.
  • Eine Beiratsordnung regelt Sitzungen, Informationen und Amtszeiten.
  • Die Vergütung passt zu Aufwand und Verantwortung.
  • Der Beirat evaluiert seine Arbeit regelmäßig.

Der richtige Zeitpunkt für einen Beirat im Familienunternehmen

Viele Unternehmer richten einen Beirat erst ein, wenn es brennt: bei einem Streit unter Gesellschaftern, einer Krise oder einer ungeklärten Nachfolge. Besser ist es, früher anzufangen. Ein Beirat im Familienunternehmen braucht Zeit, um das Geschäft kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Wer ihn in ruhigen Zeiten etabliert, hat im Ernstfall ein eingespieltes Gremium an seiner Seite.

Gute Anlässe sind zum Beispiel ein starkes Wachstum, der Eintritt der nächsten Generation, die Aufnahme externer Geschäftsführer oder eine geplante Internationalisierung. Auch schnell wachsende junge Unternehmen profitieren von einem Beirat. Wie der Weg vom Start-up zum Weltmarktführer gelingt, zeigt unser Beitrag über den Hidden Champion. Ein frühzeitig eingerichteter Beirat im Familienunternehmen wächst mit seinen Aufgaben.

Fazit: Der Beirat als Erfolgsfaktor

Ein Beirat im Familienunternehmen ist weit mehr als ein Schmuckgremium. Richtig besetzt und klar geregelt, berät er die Geschäftsführung, kontrolliert wichtige Entscheidungen, vermittelt in Familienfragen und sichert Kontinuität bei der Nachfolge. Die Zahlen zeigen: Die große Mehrheit der Familienunternehmen hat einen Beirat, und die meisten sind zufrieden.

Doch es gibt Verbesserungspotenzial: bei der strukturierten Auswahl, bei Kompetenzen wie Digitalisierung und M&A, bei der Vergütung und bei der Evaluation. Wer hier ansetzt, macht seinen Beirat zu einem echten Erfolgsfaktor und trifft bessere Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens.

Häufige Fragen zum Beirat im Familienunternehmen

Was macht ein Beirat im Familienunternehmen?

Ein Beirat berät die Geschäftsführung strategisch, kontrolliert ihre Arbeit, genehmigt wichtige Investitionen und entscheidet häufig über die Bestellung und Abberufung der Geschäftsführer. Zudem vermittelt er zwischen Familie und Unternehmen und begleitet die Nachfolge.

Ist ein Beirat gesetzlich vorgeschrieben?

Für die meisten Familienunternehmen ist ein Beirat nicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Gesellschafter können ihn freiwillig einrichten und seine Aufgaben im Gesellschaftsvertrag oder in einer Beiratsordnung festlegen.

Wie viele Mitglieder sollte ein Beirat haben?

In der Praxis haben sich drei bis fünf Mitglieder bewährt. Mindestens ein Mitglied sollte unabhängig von Familie und Unternehmen sein, um einen kritischen Blick von außen zu gewährleisten.

Was verdient ein Beirat?

Laut einer Studie von PwC und INTES erhalten ordentliche Beiratsmitglieder im Durchschnitt 10.000 bis 20.000 Euro pro Jahr, Vorsitzende rund 40.000 Euro. Ein Viertel der Vorsitzenden erhält mehr als 50.000 Euro.

Autor:in

Sophie Wagner

Sophie Wagner schreibt für Manager Portal über Unternehmen.

Newsletter

Das Manager-Briefing

Die wichtigsten Analysen für Entscheider, jede Woche kompakt in Ihrem Postfach.

Abonnieren
Nach oben scrollen