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Agentic AI: Wenn Software selbstständig Prozesse steuert

KI-Agenten sollen nicht nur antworten, sondern selbstständig Aufgaben erledigen. Was Agentic AI heute leistet, warum viele Projekte scheitern und wie du KI-Agenten erfolgreich einführst.

Von Aktualisiert 8 Min. Lesezeit
Agentic AI: Weißer humanoider Roboter als Symbol für autonome Software
Foto: Alex Knight / Unsplash

Chatbots beantworten Fragen. KI-Agenten erledigen Aufgaben. Genau das ist der Kern von Agentic AI: Software, die ein Ziel versteht, einen Plan entwickelt, Werkzeuge nutzt und Schritt für Schritt handelt, ohne dass ein Mensch jeden Klick vorgibt. Für viele Unternehmen ist das die nächste große Stufe der Automatisierung.

Doch zwischen Versprechen und Wirklichkeit klafft noch eine Lücke. In diesem Beitrag erfährst du, was Agentic AI heute tatsächlich kann, wo die Grenzen liegen, warum viele Projekte scheitern und wie du KI-Agenten sinnvoll und sicher einführst.

Was ist Agentic AI?

Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die eigenständig auf ein Ziel hinarbeiten. Anders als ein klassischer Chatbot warten sie nicht nur auf die nächste Frage, sondern handeln selbst. Ein KI-Agent kann zum Beispiel:

  • eine Aufgabe in Teilschritte zerlegen,
  • Informationen aus verschiedenen Systemen abrufen,
  • Werkzeuge wie E-Mail, Kalender, CRM oder ERP bedienen,
  • Zwischenergebnisse prüfen und seinen Plan anpassen,
  • am Ende ein Ergebnis liefern oder eine Aktion auslösen.

Ein Beispiel: Ein Kunde reklamiert eine Lieferung. Ein KI-Agent liest die E-Mail, prüft den Auftrag im ERP, verfolgt die Sendung beim Logistiker, schlägt eine Lösung vor, erstellt eine Gutschrift zur Freigabe und antwortet dem Kunden. Ein Mensch prüft nur noch die Entscheidung.

Der Unterschied zu klassischer Automatisierung

Klassische Prozessautomatisierung folgt festen Regeln. Sie funktioniert gut, solange der Ablauf immer gleich ist. Agentic AI kann dagegen mit unstrukturierten Informationen umgehen, Ausnahmen erkennen und flexibel reagieren. Das eröffnet Einsatzfelder, die bisher Menschen vorbehalten waren.

Wo Unternehmen bei Agentic AI stehen

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz hat in Deutschland stark zugenommen. Laut einer im September 2026 veröffentlichten Studie des Digitalverbands Bitkom setzen erstmals 57 Prozent der Unternehmen KI ein. Ein Jahr zuvor waren es noch 36 Prozent.

Bei KI-Agenten stehen die meisten Unternehmen noch am Anfang. Unter den Unternehmen, die KI nutzen oder den Einsatz diskutieren, setzen 11 Prozent bereits KI-Agenten ein. Weitere 29 Prozent planen den Einsatz, 31 Prozent diskutieren darüber.

Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet ein schnelles Wachstum. Bis 2028 sollen demnach rund 15 Prozent der täglichen Arbeitsentscheidungen autonom durch Agentic AI getroffen werden. Zudem sollen 33 Prozent der Unternehmenssoftware agentische Funktionen enthalten.

Warum viele Agentic-AI-Projekte scheitern

Gleichzeitig warnt Gartner: Mehr als 40 Prozent der Agentic-AI-Projekte werden bis Ende 2027 wieder eingestellt. Die Gründe:

  • Steigende Kosten: Der Betrieb von KI-Agenten in großem Maßstab ist teurer als erwartet.
  • Unklarer Nutzen: Viele Projekte starten, weil das Thema angesagt ist, nicht weil ein klarer Geschäftsnutzen definiert wurde.
  • Unzureichende Risikokontrolle: Wenn Agenten eigenständig handeln, steigen die Anforderungen an Sicherheit und Kontrolle.
  • Agent Washing: Viele Anbieter vermarkten bestehende Chatbots oder Automatisierungslösungen als Agenten. Laut Gartner bieten nur rund 130 von Tausenden Anbietern echte agentische Lösungen.

Die Bitkom-Studie bestätigt diese Hürden aus Sicht der Anwender. Unternehmen nennen vor allem Datenschutzanforderungen, rechtliche Unsicherheit und schwer kalkulierbare Kosten als Probleme.

Agentic AI: Roboter arbeitet an einem Laptop als Sinnbild für KI-Agenten
Foto: Mohamed Nohassi / Unsplash

Die besten Einsatzfelder für Agentic AI

Nicht jeder Prozess eignet sich für KI-Agenten. Am besten funktionieren Aufgaben, die häufig vorkommen, klar abgegrenzt sind und bei denen Fehler begrenzte Folgen haben. Bewährte Einsatzfelder:

  • Kundenservice: Anfragen einordnen, Informationen zusammentragen, Antworten vorbereiten und einfache Fälle abschließen.
  • Einkauf: Angebote vergleichen, Bestellungen vorbereiten und Lieferzeiten überwachen.
  • Finanzen: Rechnungen prüfen, Abweichungen erkennen und Buchungsvorschläge erstellen. Mehr dazu in unserem Beitrag über KI im Controlling.
  • IT-Betrieb: Störungen analysieren, Tickets bearbeiten und Routineaufgaben automatisieren.
  • Vertrieb: Leads recherchieren, Gesprächsnotizen auswerten und Angebote vorbereiten.
  • Personal: Bewerbungen vorsortieren, Termine koordinieren und Onboarding-Aufgaben steuern.

So führst du Agentic AI erfolgreich ein

Mit dem richtigen Vorgehen gehört dein Projekt zu den erfolgreichen. Diese Schritte haben sich bewährt.

1. Mit dem Geschäftsproblem starten

Frag nicht: Wo können wir KI-Agenten einsetzen? Frag: Welcher Prozess kostet uns zu viel Zeit, Geld oder Qualität? Definiere messbare Ziele wie kürzere Bearbeitungszeiten oder weniger Fehler.

2. Prozesse neu denken

Gartner empfiehlt, Abläufe von Grund auf neu zu gestalten, statt Agenten in alte Prozesse einzubauen. Oft liegt der größte Nutzen darin, Schritte ganz wegfallen zu lassen.

3. Klein anfangen, schnell lernen

Starte mit einem überschaubaren Pilotprojekt. Miss die Ergebnisse, sammle Erfahrungen und erweitere den Einsatz erst, wenn der Nutzen belegt ist.

4. Menschen in der Schleife halten

Lass Agenten zunächst Vorschläge machen, die ein Mensch freigibt. Erst wenn die Qualität stimmt, gibst du mehr Autonomie. Bei wichtigen Entscheidungen, etwa Zahlungen oder Kündigungen, sollte immer ein Mensch zustimmen.

5. Daten und Schnittstellen vorbereiten

KI-Agenten sind nur so gut wie die Daten und Systeme, auf die sie zugreifen. Saubere Stammdaten, klare Berechtigungen und stabile Schnittstellen sind die Grundlage.

6. Kosten im Blick behalten

Agentic AI verursacht laufende Kosten für Rechenleistung und Modellnutzung. Lege Budgets fest und überwache die Ausgaben. Wie das gelingt, zeigt unser Beitrag über FinOps und Cloud-Kosten.

Risiken und Governance von Agentic AI

Wenn Software selbstständig handelt, braucht sie klare Grenzen. Diese Grundsätze helfen dir, Risiken zu begrenzen:

  • Minimale Rechte: Ein Agent bekommt nur die Zugriffe, die er für seine Aufgabe braucht.
  • Nachvollziehbarkeit: Jede Aktion wird protokolliert, damit Entscheidungen später überprüft werden können.
  • Freigabestufen: Je größer die möglichen Folgen, desto eher muss ein Mensch zustimmen.
  • Sicherheit: KI-Agenten können durch manipulierte Eingaben getäuscht werden. Teste sie deshalb gezielt auf solche Angriffe.
  • Rechtliche Vorgaben: Die europäische KI-Verordnung stellt Anforderungen an Transparenz und bestimmte Hochrisiko-Anwendungen. Seit August 2026 gelten etwa Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte. Die Pflichten für viele Hochrisiko-Systeme wurden auf Dezember 2027 verschoben.

Kläre außerdem die Verantwortung. Wer ist zuständig, wenn ein Agent einen Fehler macht? Diese Frage sollte beantwortet sein, bevor der Agent live geht. Mit wachsender Nutzung wird auch das Thema Cybersicherheit wichtiger. Mehr dazu in unserem Beitrag über NIS2.

Was Agentic AI für Beschäftigte bedeutet

KI-Agenten verändern die Arbeit spürbar. Routineaufgaben fallen weg, neue Aufgaben entstehen: Agenten konfigurieren, überwachen, Ergebnisse prüfen und Ausnahmen bearbeiten. Viele Beschäftigte werden künftig mit mehreren digitalen Helfern zusammenarbeiten.

Das weckt Hoffnungen und Ängste. Laut Bitkom sieht ein Drittel der KI-Nutzer die KI sogar als Risiko für das eigene Unternehmen. Umso wichtiger ist eine offene Kommunikation. Erkläre, warum KI-Agenten eingeführt werden, welche Aufgaben sich verändern und wie Beschäftigte sich weiterbilden können. Wie du Veränderungen gut begleitest, zeigt unser Beitrag über Change Management.

Agentic AI im Mittelstand

Gerade für mittelständische Unternehmen mit knappen Personalressourcen bietet Agentic AI große Chancen. Wo Fachkräfte fehlen, können Agenten Routinearbeit übernehmen und Mitarbeitende entlasten.

Der Einstieg muss nicht teuer sein. Viele Softwareanbieter integrieren agentische Funktionen direkt in bestehende Anwendungen. Prüfe, welche Funktionen deine vorhandene Software bereits bietet, bevor du in eigene Entwicklungen investierst. Achte dabei auf den Datenschutz und darauf, wo deine Daten verarbeitet werden.

Wie du den Nutzen von KI-Agenten misst

Viele Projekte scheitern, weil der Nutzen nie sauber gemessen wurde. Lege deshalb schon vor dem Start fest, woran du Erfolg erkennst. Bewährte Kennzahlen sind:

  • Bearbeitungszeit: Wie viel schneller wird ein Vorgang erledigt?
  • Automatisierungsquote: Welcher Anteil der Fälle wird ohne menschliches Eingreifen abgeschlossen?
  • Fehlerquote: Wie oft müssen Menschen Ergebnisse korrigieren?
  • Kosten pro Vorgang: Was kostet ein Fall inklusive Rechenleistung, Lizenzen und menschlicher Kontrolle?
  • Zufriedenheit: Wie bewerten Kunden und Beschäftigte die neuen Abläufe?

Vergleiche diese Werte mit dem Zustand vor dem Projekt. Nur so kannst du belegen, ob sich die Investition lohnt, und fundiert entscheiden, ob du den Einsatz ausweitest.

Welche Technik hinter KI-Agenten steckt

Die Grundlage der meisten KI-Agenten sind große Sprachmodelle. Sie verstehen Anweisungen in natürlicher Sprache und können Pläne formulieren. Damit ein Agent handeln kann, braucht er zusätzlich Werkzeuge: Schnittstellen zu E-Mail, Datenbanken, Unternehmenssoftware oder dem Internet.

Hinzu kommt ein Gedächtnis, damit der Agent sich an frühere Schritte und Informationen erinnert. Offene Standards für die Anbindung von Werkzeugen machen es zunehmend einfacher, Agenten mit bestehenden Systemen zu verbinden. Für Unternehmen bedeutet das: Die technische Hürde sinkt, die organisatorischen Fragen bleiben.

Plane deshalb von Anfang an Zeit für Abstimmungen mit Datenschutz, IT-Sicherheit, Betriebsrat und Fachbereichen ein. Diese Gespräche entscheiden oft mehr über den Erfolg als die Wahl des Modells.

Fazit: Agentic AI braucht Ziel, Kontrolle und Geduld

Agentic AI ist mehr als ein Trend. KI-Agenten können Prozesse beschleunigen, Kosten senken und Beschäftigte entlasten. Doch viele Projekte scheitern, weil sie ohne klares Ziel, ohne saubere Daten und ohne Kontrolle starten.

Erfolgreich sind Unternehmen, die mit einem konkreten Geschäftsproblem beginnen, Prozesse neu denken, klein anfangen und Menschen in der Schleife halten. Wer so vorgeht, nutzt die Chancen von Agentic AI und behält gleichzeitig die Kontrolle.

Häufige Fragen zu Agentic AI

Was ist Agentic AI?

Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die eigenständig auf ein Ziel hinarbeiten. Sie zerlegen Aufgaben in Schritte, nutzen Werkzeuge und Systeme, prüfen Zwischenergebnisse und handeln, ohne dass ein Mensch jeden Schritt vorgibt.

Wie viele Unternehmen nutzen KI-Agenten?

Laut Bitkom nutzen 57 Prozent der deutschen Unternehmen KI. Von den Unternehmen, die KI einsetzen oder darüber nachdenken, verwenden 11 Prozent bereits KI-Agenten, weitere 29 Prozent planen den Einsatz.

Warum scheitern Agentic-AI-Projekte?

Gartner erwartet, dass mehr als 40 Prozent der Projekte bis Ende 2027 eingestellt werden. Hauptgründe sind steigende Kosten, ein unklarer Geschäftsnutzen und unzureichende Risikokontrollen.

Wie führt man KI-Agenten sicher ein?

Starte mit einem klaren Geschäftsproblem und einem kleinen Pilotprojekt. Gib Agenten nur die nötigen Rechte, protokolliere alle Aktionen und lass wichtige Entscheidungen von Menschen freigeben.

Autor:in

Julia Brandt

Julia Brandt schreibt für Manager Portal über Tech.

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